| In der Geschichte heiß umkämpft: Die Festung La Cité in Carcassonne. |
| Hier geht‘s zur Burg in der Burg |
| Das Burginnere ist eine kleine Stadt |
| Alte Steine und Mauern, exakt geschichtet |
| Zum Glück ist die Burgdame warm angezogen |
| Heute geschlossen |
| Blick auf‘s Ganze |
Kalt, naß und grau empfängt uns diese riesige, wuchtige Festung. Man möchte meinen, wir seien im Herbst in Schottland und nicht im Frühling am Mittelmeer. Doch die unwirtlichen Verhältnisse haben den Vorteil, dass nur wenige Besucher die Burg bevölkern. Im Inneren, hinter den Mauern, wimmelt es von Restaurants, Andenkenläden, Eisdielen und Boutiquen. Ein touristischer Hotspot, der die Menschen anzieht, wie das Licht die Motten. Es sei jedem gegönnt, aber Menschenmassen sind selten angenehm.
So aber genießen wir den Rundgang durch das weitläufige Gelände fast alleine. Innerhalb der Mauern, die eine Länge von 3 Kilometern haben, gibt es eine innere Burg, die noch mal von einer Mauer umgeben ist, das sogenannte Grafenschloß. Der Eintritt kostet 13 Euro, auf den wir aber verzichten und stattdessen in unser Feierabendbier investieren, verdient nach langer Autofahrt. Das spätere Abendessen, eine Pizza und ein Cassoulet, die berühmte Spezialität aus der Region, ein Eintopfgericht, schmecken beide nicht. Kulinarisch ist Frankreich bisher tote Hose, aber teuer. Etwas enttäuschend, denn wir sparen nicht am Preis. Das ändert nichts daran, dass dies Burg ein tolles Erlebnis ist und wir froh sind, dass wir das sehen und in uns aufnehmen können, Carcassonne ist unbedingt einen Besuch wert.
Nun ein paar Worte zu Spanien, unserem eigentlichen Ziel, das wir morgen erreichen werden. An was denkst Du, lieber Leser, wenn Du das Wort Spanien hörst?
Ich, Stefan, denke an 3 Dinge. Erstens an das legendäre Endspiel im Europapokal der Landesmeister 1960 in Glasgow vor 135.000 Zuschauern zwischen Real Madrid und Eintracht Frankfurt. Ich war damals 8 Jahre alt, habe aber mitbekommen, dass da etwas Großes im Gange war. Die ganze Stadt sprach davon und auch, wenn die Eintracht das Spiel mit 3:7 verlor, war man doch sehr stolz darauf, den Vollprofis von Real mit Spielern wie Puskas, Di Stefano und Gento ein tolles Match geliefert zu haben. Die Eintrachtspieler gingen ja noch normalen Berufen nach und erzählen hier davon, wie sie das Spiel erlebt haben. Das Video ist auch für nicht Fußballinteressierte ein Vergnügen, weil die Spieler so anschaulich und nett erzählen und das in herrlichem frankforderisch. Hört mal rein!
Seit der Zeit gibt es eine enge Freundschaft zwischen den Vereinen wie auch zu den Glasgow Rangers.
https://www.youtube.com/watch?v=uV3tI2yfMn0
Zweitens denke ich an den spanischen Bürgerkrieg, Franco, die internationalen Brigaden. Spaniens Himmel breitet seine Sterne …
Hätte man mich damals gefragt, ob ich da mitmache, ich hätte vermutlich begeistert JA geschrien. Erinnert sei an Ernest Hemingways Roman: Wem die Stunde schlägt. Ja, sowas hat man damals, ich war 15, 16 Jahre alt, gelesen und das hier gehört:
https://www.youtube.com/watch?v=2CZgXSAAhis
Und drittens und damit zusammenhängend bin ich später auf eine Besonderheit des spanischen Bürgerkriegs gestoßen: Den kurzen Sommer der Anarchie. Innerhalb der spanischen Republik entwickelte sich in Katalonien eine Phase der Anarchie, aber nicht als Synonym für Chaos und Durcheinander, sondern als herrschaftsfreie Gesellschaft. Ein Traum der Menschheit wurde wahr, eine politische Utopie wurde Realität. Man lebt, arbeitet kämpft und liebt zusammen in einer großen Gemeinschaft und es funktioniert. Jeder leistet soviel, wie er kann, jeder bekommt soviel, wie er braucht. Organisation ja, aber keine Herrschaft.
Bis heute hat deshalb der Anarchismus in Barcelona und in Katalonien eine Basis. Das Buch von Hans Magnus Enzensberger erzählt davon.
https://www.suhrkamp.de/buch/hans-magnus-enzensberger-der-kurze-sommer-der-anarchie-t-9783518368954
Sehr gute Lage am Fuß der Burg. Ruhig. Preiswert. Klasse Croissants zum Frühstück. Restaurant nicht empfehlenswert.
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